Der Prophet Elias - Nr. III

Mai 2021

In diesem Teil 3 wird eine filmreife Wettstreit-Szene erzählt und hörbar gemacht.
Auf dem Berg Karmel soll sich zeigen, wer der rechte Gott ist: Baal oder Gott Jahwe.
Der Unterschied, wie die beide Parteien, Baals-Priester und Elias deren Bitte äußern, wird durch die Musik sehr deutlich.
Baals-Priester fordern aufgeregt (Hörbeispiel 1), dagegen bittet Elias demütig (Hörbeispiel 2).
Das Quartett „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“ (Hörbeispiel 3) bekräftigt Elias’ Bitte.


Auslegung zum Oratorium Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy, Teil 3 (Pfarrer Kunz)

Das Gottesurteil auf dem Karmel ( 1. Könige 18 i.A.)

„Elia sprach: So wahr der Herr Zebaoth lebt, vor dem ich stehe: Ich will mich ihm heute zeigen. Und als Ahab Elia sah, sprach Ahab zu ihm: Bist du es, der Israel ins Unglück stürzt? Er aber sprach: Nicht ich stürze Israel ins Unglück, sondern du und deines Vaters Haus dadurch, dass ihr des Herrn Gebote verlassen habt, und du den Baalen nachgelaufen bist. Wohlan, so sende nun hin und versammle zu mir ganz Israel auf den Berg Karmel und die vierhundertfünfzig Propheten Baals, auch die vierhundert Propheten der Aschera, die vom Tisch Isebels essen. So sandte Ahab hin zu allen Israeliten und versammelte die Propheten auf den Berg Karmel. Da trat Elia zu allem Volk und sprach: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Ist der Herr Gott, so wandelt ihm nach, ist’s aber Baal, so wandelt ihm nach. Und das Volk antwortete ihm nichts. Da sprach Elia zum Volk: Ich bin allein übriggeblieben als Prophet des Herrn, aber die Propheten Baals sind vierhundertfünfzig Mann. So gebt uns nun zwei junge Stiere und lasst sie wählen einen Stier und ihn zerstücken und aufs Holz legen, aber kein Feuer daranlegen; dann will ich den andern Stier herrichten und aufs Holz legen und auch kein Feuer daranlegen. Und ruft ihr den Namen eures Gottes an, ich aber will den Namen des Herrn anrufen. Welcher Gott nun mit Feuer antworten wird, der ist Gott. Und das ganze Volk antwortete und sprach: Das ist recht. Und Elia sprach zu den Propheten Baals: Wählt ihr einen Stier und richtet zuerst zu, denn ihr seid viele, und ruft den Namen eures Gottes an, aber legt kein Feuer daran. Und sie nahmen den Stier, den man ihnen gab, und richteten zu und riefen den Namen Baals an vom Morgen bis zum Mittag und sprachen: Baal, erhöre uns! Aber es war da keine Stimme noch Antwort. Und sie hinkten um den Altar, den sie gemacht hatten. Als es nun Mittag wurde, verspottete sie Elia und sprach: Ruft laut! Denn er ist ja ein Gott; er ist in Gedanken oder hat zu schaffen oder ist über Land oder schläft vielleicht, dass er aufwache. Und sie riefen laut und ritzten sich mit Messern und Spießen nach ihrer Weise, bis ihr Blut herabfloss. Als aber der Mittag vergangen war, waren sie in Verzückung bis um die Zeit, zu der man das Speisopfer darbringt; aber da war keine Stimme noch Antwort noch einer, der aufmerkte. Da sprach Elia zu allem Volk: Kommt her zu mir! Und als alles Volk zu ihm trat, baute er den Altar des Herrn wieder auf, der zerbrochen war. Und Elia nahm zwölf Steine nach der Zahl der Stämme der Söhne Jakobs – zu dem das Wort des Herrn ergangen war: Du sollst Israel heißen – und baute von den Steinen einen Altar im Namen des Herrn und machte um den Altar her einen Graben, so breit wie für zwei Maß Aussaat, und richtete das Holz zu und zerstückte den Stier und legte ihn aufs Holz. Und Elia sprach: Holt vier Eimer voll Wasser und gießt es auf das Brandopfer und aufs Holz! Und er sprach: Tut’s noch einmal! Und sie taten’s noch einmal. Und er sprach: Tut’s zum dritten Mal! Und sie taten’s zum dritten Mal. Und das Wasser lief um den Altar her, und der Graben wurde auch voll Wasser. Und als es Zeit war, das Speisopfer zu opfern, trat der Prophet Elia herzu und sprach: Herr, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, lass heute kundwerden, dass du Gott in Israel bist und ich dein Knecht und dass ich all das nach deinem Wort getan habe! Erhöre mich, Herr, erhöre mich, dass dies Volk erkenne, dass du, Herr, Gott bist und ihr Herz wieder zu dir kehrst! Da fiel das Feuer des Herrn herab und fraß Brandopfer, Holz, Steine und Erde und leckte das Wasser auf im Graben. Als das alles Volk sah, fielen sie auf ihr Angesicht und sprachen: Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott! Elia aber sprach zu ihnen: Greift die Propheten Baals, dass keiner von ihnen entrinne! Und sie ergriffen sie. Und Elia führte sie hinab an den Bach Kischon und schlachtete sie daselbst.“

Welch bildgewaltige Erzählung erleben wir hier? Die Stücke 10-18 des Oratoriums zeichnen diese mit musikalischen und textlichen Mitteln nach. Für Ahab, den König Israels ist klar, Elia ist an der ganzen Misere des Volkes schuld. Er stürzt sie durch sein Wort ins Unglück. Doch Elia kann diesen Vorwurf nur an Ahab zurückgeben. Durch seine Abkehr vom einzig wahren Gott Jahwe, der Israel einst zu seinem Volk gemacht hatte und sie aus der Sklaverei in Ägypten herausgeführt hatte und ihrer Hinwendung zu den falschen Göttern, den Baalen, hat Israel den Weg der Gebote verlassen. So fordert Elia König Ahab und seine Priester zu einem Machtkampf auf. Er allein stellt sich den Propheten Baals gegenüber. Und dies im Angesicht des ganzen Volkes Israel als Zeugen. Der Berg Karmel wird zum Ort der Entscheidung. Nicht nur das Volk Israel, auch die Propheten Baals sollen sich entscheiden, welchem Gott sie sich anvertrauen und gehorchen wollen. Kein Hinken und Wanken soll die Entscheidung kennzeichnen, sondern ein festes Stehen zu Gott Jahwe, dem Herrn über Israel. Doch Israel antwortet nicht.
So schlägt Elia ein Gottesurteil vor. Er allein stellt sich 450 Baals-Priestern entgegen. Die Religionen treten in einen öffentlichen Wettstreit gegeneinander.
Ein Stier soll als Opfergabe auf einen Altar gelegt werden. Kein Feuer soll entzündet werden. Dies soll Baal selbst tun, auf Bitten der Baals-Propheten hin. Sie versuchen alles. Sie rufen, tanzen, versetzen sich in Ekstase, sie wollen ihrer Gottheit gefallen.

Hörbeispiel 1: https://www.youtube.com/watch?v=BY2Rd_wV_UA

- Baal erhöre uns, wache auf! Warum schläfst du? Wache auf!

Doch nichts geschieht. Elia spottet. Für ihn ist das Schweigen Gottes das sichere Zeichen, dass es diese Baals-Gottheit nicht gibt.
Nun ist Elia an der Reihe. Zuerst richtet er den zerbrochenen Altar wieder auf. Er nimmt zwölf Steine, die die zwölf Stämme Israels symbolisieren. Er ruft das Volk Israel an seinen Altar. Er erinnert die Israeliten, dass das Wort Gottes einst an sein Volk ergangen war. Gott hat sein Volk nicht verlassen. Dann richtet er den Stier als Opfergabe zu und lässt noch drei Mal Wasser auf den Altar gießen. Alles ist nass. Wie soll sich diese Opfergabe entzünden?
Dann kommt es zum Urteil. Elia gebraucht keine magischen Rituale, um die Gottheit günstig zu stimmen, sondern er bittet nur darum, dass Gott Jahwe ihm antworten möge. Er betet zum Gott der Väter.

Hörbeispiel 2: https://www.youtube.com/watch?v=sGRBYO8jhkI

- Herr Gott Abraham, Isaaks und Israels, lass heut’ kundwerden, dass du Gott bist, und ich dein Knecht! Und dass ich solches alles nach deinem Worte getan! Erhöre mich, Herr! Herr Gott Abrahams, Isaaks und Israels, erhöre mich Herr, dass dies Volk wisse, dass du Herr Gott bist, dass du ihr Herz danach bekehrest.

Hörbeispiel 3: https://www.youtube.com/watch?v=yz-3dJYvU38

- Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen, und wird den Gerechten nicht ewiglich in Unruhe lassen. Denn seine Gnade reicht so weit der Himmel ist, und keiner wird zu Schanden, der seiner harret.

Und Jahwe zeigt sich. Er erweist seine Macht und entzündet den Altar.

Als das alles Volk sah, fielen sie auf ihr Angesicht und sprachen: Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott! Elia aber sprach zu ihnen: Greift die Propheten Baals, dass keiner von ihnen entrinne! Und sie ergriffen sie. Und Elia führte sie hinab an den Bach Kischon und schlachtete sie daselbst.
(1. Könige 18,39-40)

Die Widersacher verfallen dem Gericht. Die Verehrer toter Götzen enden selbst im Tod.
Und so endet diese Szene mit den Worten:

Weh ihnen, dass sie von mir weichen! Sie müssen verstöret werden, denn sie sind abtrünnig von mir geworden. Ich wollte sie wohl erlösen, wenn sie nicht Lügen wider mich lehrten. Ich wollte sie wohl erlösen, aber sie hören es nicht. Weh ihnen! Weh ihnen!
(18. Arioso)



Walter Kunz, Pfr.

Zurück